EM-Qualifikation: Zwischenfazit nach 3 Spieltagen – Aufstand der „Kleinen“

Nicht nur Weltmeister Deutschland kommt in der bisherigen EM-Qualifikation nicht ins Rollen. Auch andere der so genannten großen Teams in Europa haben schon Federn lassen müssen. Bei vielen Außenseiter läuft es dagegen umso besser. In sieben der neuen Qualifikationsgruppen wird die Tabelle von einem Außenseiter angeführt. Ist das nur eine Momentaufnahme oder schlagen die „Großen“ erst später zu? Wir geben einen Ausblick über den bisherigen Verlauf der Gruppenphase.

Wer hätte das gedacht? Deutschland nach drei Spielen nur Vierter. Spanien verliert in der Slowakei, die Niederlande gewinnt nur eines seiner drei bisherigen EM-Qualifikationsspiele. In fast allen Qualifikationsgruppen überraschen die „kleinen“ Fußball-Nationen mit ihren Erfolgen und führen ihre Tabellen an. Möglich, dass der ein oder andere „Große“ schon vorher die Segel streichen muss. Doch da bei der EM 2016 in Frankreich erstmals 24 statt der sonst üblichen 16 Teams teilnehmen, wittern viele Underdogs ihre große Chance, die Endrunde zu erreichen. Selbst der beste Gruppendritte ist direkt dabei, während die anderen acht Drittplatzierten in den Play-offs die letzten Teilnehmer ausspielen.

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Gruppe A: Island und Tschechien überraschen – Oranje schwächelt

In der Gruppe A überraschen gleich zwei Teams nach drei Spieltagen. Angeführt wird die Tabelle von Island, die nicht nur alle drei Spiele gewinnen konnten, sondern bislang auch noch ohne Gegentreffer blieben. Und das obwohl man schon gegen die Niederlande spielte. Besonders das 2:0 gegen den WM-Dritten zeigte, dass die Isländer sich durchaus berechtigte Hoffnungen auf eine direkte Qualifikation machen können. Großen Anteil hat der ehemalige Hoffenheimer Gylfi Sigurdsson, der mittlerweile bei Swansea City unter Vertrag steht. Zweiter mit ebenfalls drei Siegen ist Tschechien, dass mit seinen Altstars Petr Cech und Tomas Rosicky bislang für Furore sorgt und sowohl die Türkei als auch die Niederlande mit jeweils 2:1 bezwang. Dass die Niederlande nur drei Punkte aufweist, ist ebenso schwach wie das Abschneiden der Türkei, die mit einem mickrigen Zählen auf dem letzten Platz rangieren. Während wir mit einem Comeback vom Team Oranje rechnen, scheint für die Türken der EM-Zug schon vorzeitig abgefahren zu sein.

Gruppe B: Wales vor Israel – Bosnien strauchelt

In der Gruppe B ist das Tabellenbild noch etwas verzerrt, da die Partie Israel gegen Belgien auf den 31. März verschoben wurde. Dennoch überrascht es, dass der WM-Teilnehmer Bosnien Herzegowina daheim gegen Zypern unterlag und auch gegen die starken Belgier zu Hause sich ein Unentschieden abtrotzen ließ. Wales, mit Real-Supersstar Gareth Bale in ihren Reihen, führt derzeit die Tabelle mit drei Siegen an, dürfte aber schon mit der nächsten Partie in Belgien schwer haben, die Tabellenführung zu verteidigen.

Gruppe C: Slowakei vor Spanien

Wohl kaum einer hätte damit gerechnet, dass nach drei Spieltagen die Slowakei, dank eines 2:1 Sieges gegen Spanien, auf Platz eins liegen würde. Grund ist neben dem Sieg gegen den amtierenden Europameister auch der 1:0-Erfolg gegen die Ukraine sowie das 3:1 gegen Weißrussland. Sollte die Slowakei auch gegen Luxemburg und Mazedonien die erwarteten Siege einfahren, hätte man Platz eins nach der Hinrunde der EM-Qualifikation in der Tasche und wäre mit einem Bein sicher bei der EM in Frankreich dabei. Grund für den slowakischen Aufschwung ist die Ordnung des Teams, wo der extrovertierte Neapel-Star Marek Hamsik im Angriff wirbelt und die Abwehr von Liverpools Martin Skrtel sortiert wird. Zudem tummeln sich mit Herthas Peter Pekarik, Freiburgs Karim Guede, Kölns Dusan Svento, Bochums Stanislav Sestak und Adam Nemec von Union Berlin noch einige Spieler in der Nationalmannschaft, die in Deutschland ihr Geld verdienen.

Gruppe D: Deutschland nur Vierter – Polen & Irland vorneweg

Schweinsteiger

Jeder Experte hätte darauf gesetzt, dass der Weltmeister aus Deutschland die Gruppe D anführen wird. Doch nach der Pleite gegen Polen (0:2) und dem Last-Minute-Unentschieden gegen Irland (1:1) belegen die Mannen von Trainer Joachim Löw gerade einmal Rang vier. Polen führt die Gruppe an, musste aber auch schon die ersten Heimpunkte gegen Schottland lassen. Alles geht dennoch davon aus dass Deutschland vor Polen und Irland die Gruppe abschließen wird. Denn die letzten beiden Gruppengegner heißen Gibraltar und Georgien. Hier sollte die DFB-Elf nicht nur die Maximalausbeute von sechs Punkten holen, sondern auch noch mittels zwei klaren Siegen etwas an der Tordifferenz arbeiten. Dennoch geht es in der Gruppe E etwas überraschend eng zur Sache, was neben Polen auch den starken Iren und Schotten zu verdanken ist.

Gruppe E: England souverän, aber Schweiz lässt Federn

Eine der zwei Gruppen in der alles nach Plan zu laufen scheint. England führt nach drei Siegen souverän die Gruppen an und scheint keinerlei Probleme mit der Qualifikation zur EM zu haben. Dass die Schweizer, immerhin Achtelfinalist in Brasilien, schon zwei Niederlagen einstecken mussten, überrascht dagegen umsomehr. Slowenien hat da schon etwas bessere Karten, verlor aber seinerseits in Estland. Daher sollte für die Nati noch alles drin sein.

Gruppe F: Furioses Nordirland mit Traumstart

Ganze 35 Millionen Euro ist der gesamte Kader der Nordiren wert. Allerdings fällt ein Drittel der Summe auf Jonny Evans von Manchester United zurück. Dennoch siegen die Jungs von der Insel munter und gewannen in Ungarn mit 2:1, erwartungsgemäß gegen die Färöer-Inseln mit 2:0 und überraschten dann in Griechenland erneut mit einem 2:0 Sieg. Drei Spiele, drei Siege – Nordirland hat auf jeden Fall positive Schlagzeilen geschrieben und ist in der Gruppe ohne „große“ Fußball-Nation auf bestem Weg, sich direkt für die EURO 2016 zu qualifizieren. Dennoch sollten die Insel-Kicker aber nicht zu euphorisch sein, zumal mit Finnland und Rumänien zum Ende der Hinrunde noch zwei harte und unangenehme Brocken warten. Doch utopisch erscheint eine Qualifikation nicht, denn in der Gruppe F gibt es keinen großen Favoriten.

Gruppe G: Österreich als Erster auf gutem Weg

Nach den Auftaktspielen gegen Schweden (1:1), Moldawien (2:1) und dem 1:0 gegen Montenegro führt Österreich seit Langem mal wieder eine Qualifikationsgruppe an. Grund dürfte die starke Bundesligafraktion um Bayern-Star David Alaba sein. Zum Abschluss der Hinrunde warten noch Liechtenstein und Russland. Dennoch erscheint mindestens Platz zwei nach der Hinrunde für die Alpenrepublik mehr als realistisch. Russland und Schweden nahmen sich schon gegenseitig die Punkte weg, wobei die Russen daheim gegen Moldawien auch noch Punkte liegen ließen. Hier steht uns noch ein sehr spannender Dreikampf ins Haus, wobei auch das Team aus Montenegro nie ganz abschreiben darf.

Gruppe H: Kroatien und Italien klar vorn

Die Gruppe H ist schnell zusammengefasst, denn sowohl Kroatien als auch Italien erledigten sich bislang schadlos ihrer Gegner und führen die Gruppe an. Richtungsweisend wird sicherlich der Ausgang des kommenden Spieltags, wenn die Squadra Azzurra daheim Kroatien empfängt. Norwegen ist in Lauerstallung und verlor bereits gegen Italien. Dennoch sollte für die Wikinger mindestens der 3. Platz am Ende herausspringen, so dass man immer noch über den Umweg EM 2016 Playoffs das Ticket nach Frankreich lösen kann.

Gruppe I: Serbien und Portugal mühen sich ab

Trotz des Abbruchs im Skandalspiel gegen Serbien darf sich Albanien noch Tabellenführer nennen. Grund ist unter anderem der 1:0-Sieg in Portugal. Und auch gegen Dänemark waren sie bis neun Minuten vor Ende in Führung, ehe sie noch den späten 1:1 Ausgleichstreffer hinnehmen mussten. Wie es weitergeht hängt auch vom Urteil der UEFA ab. Serbien enttäuschte gleich zum Auftakt gegen Armenien, und auch Portugal quält sich bislang mächtig.

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